Michael Kreitmeir- bei Günther Jauch in Stern TV

Prozess gegen deutschen Entwicklungshelfer

Der 17. August war der Tag, an dem Michael Kreitmeirs Leben zur Hölle wurde: Der Deutsche, der seit elf Jahren als Entwicklungshelfer in Sri Lanka lebt, dort ein Kinderdorf gebaut und mehrere soziale Projekte gegründet hat, war auf dem Heimweg von einem Krankenhaus, das er unterstützt. Mit dabei: Sohn Manuel, der aus Deutschland zu Besuch war. Plötzlich gerieten die beiden in eine Polizeikontrolle. “Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches”, sagt Kreitmeir rückblickend im Gespräch mit stern TV. Doch schnell habe er gemerkt, dass es keine normale Kontrolle war.

Angeblicher Heroinfund im Auto

“Vom ersten Moment an mussten wir die Handys abgeben, die Uhren ablegen”, erzählt er. Dann hätten die Beamten angefangen, das Fahrzeug zu durchsuchen. “Ich habe noch nie erlebt, dass ein Auto so auseinander genommen wurde”, sagt er. Die Beamten hätten das Auto praktisch zerlegt. Eine halbe Stunde habe die Durchsuchung gedauert – dann habe plötzlich ein Beamter ein kleines Tütchen hoch gehalten. Der angebliche Inhalt: Heroin. “Ich wurde von meinem Sohn getrennt, wir wurden die ganze Nacht verhört”, sagt Michael Kreitmeir.
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Heute ist sich der Deutsche sicher: “Das war keine zufällige Kontrolle. Die wussten Bescheid über mich.” Seine Vermutung: Ein lokaler Minister hat die Kontrolle veranlasst und dafür gesorgt, dass man ihm Drogen unterschiebt. “Ich habe nie in meinem Leben Heroin angefasst oder genommen”, beteuert er. Kreitmeir glaubt, dass es sich um eine Racheaktion des Ministers handelt. Denn: Im März dieses Jahres sei der Minister auf ihn zugekommen – und habe über 200.000 Euro Schutzgeld für seinen Wahlkampf von ihm verlangt. Kreitmeir habe abgelehnt, bei der Deutschen Botschaft Beschwerde eingereicht und den Minister bei der Polizei angezeigt, sagt er.
“Es war wie ein Besuch in der Hölle”

Obwohl der Minister Michael Kreitmeir bedroht hatte, ließ sich der Deutsche nicht einschüchtern, sondern kümmerte sich weiterhin wie gewohnt um seine sozialen Projekte – bis zu seiner Verhaftung am 17. August. Während sein Sohn Manuel nach kurzer Zeit frei kam, musste Michael Kreitmeir ins Gefängnis. “Der schlimmste Moment war, als der Richter verfügte, dass mein Vater in Haft bleiben muss und ich gehen darf”, sagt Manuel Kreitmeir heute zu stern TV. “Ich dachte, wir stehen das zusammen durch. Und dann reißen sie ihn plötzlich weg und ich bleibe zurück.”

Für Michael Kreitmeir begann in einem Gefängnis in Sri Lanka die wohl schlimmste Zeit seines Lebens: “Die ersten zwei Tage und Nächte war es für mich ein bisschen wie ein Besuch in der Hölle”, sagt er. Er habe mit einem Dutzend anderer Häftlinge in einer kleinen Zelle gelebt, in der es lediglich eine Toilette gab, sonst nichts. “Die Hygiene war eine Katastrophe”, sagt er. Wasser habe es nicht gegeben und das Essen sei verdorben gewesen.

Kinderdorf-Mitarbeiter bekamen Drohungen

Während der Haftzeit seines Vaters habe auch das Kinderdorf, das Kreitmeir gebaut hat, Schaden genommen, berichtet Sohn Manuel: “Der Vorstand wurde verhaftet, die Arbeiter haben gestreikt und hatten Angst. Lehrer und Angestellte sind abgehauen, alle haben Drohungen bekommen.” Dann sei auch noch das Jugendamt gekommen und wollte das Kinderheim übernehmen. “Gott sei Dank ist einer der Männer aus dem Vorstand bei der Verhaftung übersehen worden, der hat dann alles mit mir geregelt.”

Nach neun Tagen kam Michael Kreitmeir schließlich frei, gegen eine Kaution. “Ein hoher christlicher Amtsträger hat mir geholfen”, sagt er zu stern TV. Trotzdem: Sicher kann sich Kreitmeir noch immer nicht fühlen. Vor wenigen Tagen hat das Gerichtsverfahren gegen ihn begonnen. Kreitmeir rechnet zwar nicht damit, dass er verurteilt wird. “Da glaube ich an die Gerechtigkeit hier”, sagt er.
“Weggehen kommt nicht in Frage”

Doch selbst wenn er freigesprochen werde, müsse er weiter um sein Leben bangen: “Der Minister wird das nicht auf sich sitzen lassen”, sagt er. “Ich habe Angst, dass alles, was ich hier aufgebaut habe, zerstört wird.” In Sri Lanka bleiben will der Deutsche aber dennoch: “Wenn ich nicht mehr da bin, dann glaube ich, verlieren viele Menschen ihre Zukunft, Kinder ihre Heimat”, sagt er. Und: “Ich habe mein Leben hier rein gesteckt. Weggehen kommt für mich nicht in Frage.” Aber: “Ich glaube auch, dass die Wahrheit siegen kann”, sagt er in einem Gespräch mit stern TV.

One Response

  1. Ich muss sagen wirklich Respekt für Michael Kreitmeier. Ich habe selbst Wurzeln in Sri Lanka und weiß wie Korruption dort immer noch verbreitet ist. Umso mehr bewundere ich den Mut und die Entschlossenheit von Herrn Kreitmeier. Ich wünsche ihm und seiner Organisation “Little Smile” alles nur erdenkliche Glück der Welt!

    Buddhusaranai (Buddhas Segen sei mit Ihnen)

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