Tamilen in der Hölle

VON CHRISTINE MÖLLHOFF

Die Appelle wirken wie letzte, hilflose Versuche, eine Tragödie noch abzuwenden. Der UN-Sicherheitsrat und US-Präsident Barack Obama riefen die Kriegsparteien in Sri Lanka nun auf, die Zivilisten zu evakuieren. Auf der Insel hängt das Leben von 50.000 Menschen, die die Tamilen-Rebellen der LTTE auf einem Küstenstreifen festhalten, nur noch an einem seidenen Faden. Es mehren sich Gerüchte, dass die Regierung bald zur Schlussoffensive ansetzen will. Obama warnte vor einer “Katastrophe”. Laut Militär konnten am Donnerstag 2000 Tamilen aus der Kampfzone entkommen.

Obama fand klare Worte an die Adresse der LTTE. “Ich fordere die Tamilen-Tiger auf, ihre Waffen niederzulegen und die Zivilisten gehen zu lassen”, sagte er. Es sei “kläglich”, dass die LTTE Zivilisten an die Waffen zwinge und als “menschliche Schutzschilde” missbrauche. An die Regierung appellierte er, ihre Zusage einzuhalten, keine Zivilisten zu beschießen und keine Artillerie einzusetzen. Der Sicherheitsrat verurteilte den Einsatz schwerer Waffen in dem von Zivilisten dicht bevölkerten Gebieten. Er appellierte an Colombo, Hilfe zu den Menschen zu lassen und die Zivilisten zu evakuieren. Viele sind ausgehungert, verwundet und krank.Doch die Appelle schienen ungehört zu verhallen. Die Gefechte gingen am Donnerstag unvermindert weiter. LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran scheint entschlossen, bis zum letzten Kindersoldaten zu kämpfen. Wie die UN unter Berufung auf Augenzeugen berichtet hatten, zwingt die LTTE nun schon 13-Jährige an die vorderste Front. LTTE-Kämpfer sollen laut Augenzeugen und UN auf Fliehende schießen. Dabei kämpfen die Rebellen längst auf verlorenem Posten. Die Armee hat die LTTE, die einst ein Drittel der Insel kontrollierte, auf einem drei Quadratkilometer großen Küstenstreifen im Nordosten eingekreist. Die Guerilleros haben sich dort mit 50 000 Zivilisten verschanzt.

Auch die singhalesische Regierung geht offenbar immer rücksichtsloser vor. Satellitenaufnahmen zeigen schwere Krater in der mit Zivilisten dicht besetzten No-Fire-Zone. Bereits dreimal wurde das einzige Hospital dort bombardiert. Augenzeugen sagten, der Beschuss sei von Regierungsseite gekommen.

Die noch 50 000 gefangenen Tamilen gehen durch die Hölle. Das Rote Kreuz schickte am Donnerstag erneut ein Boot mit Lebensmitteln ins Kriegsgebiet, das außerdem Verletzte in Sicherheit bringen sollte. Wegen der Gefechte konnten die Mitarbeiter aber bis zum Nachmittag nicht an Land gehen. Die Regierung versicherte erneut, sie werde versuchen, möglichst viele Zivilisten zu befreien. Vor drei Wochen konnten Tausende Tamilen aus der Kampfzone fliehen, nachdem das Militär einen Fluchtweg in die Befestigungen der LTTE gesprengt hatte.

Quelle : FR-Online

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