“Blutbad unvermeidlich”

VON CHRISTINE MÖLLHOFF

Alle Appelle blieben vergeblich: Die Regierung setzt zur Schlussoffensive gegen die Tamilen-Rebellen der LTTE an, die sich mit Zehntausenden Zivilisten auf einem winzigen Küstenstreifen im Nordosten verschanzt haben. In den Worten von Präsident Mahinda Rajapakse klang das am Freitag so: Das Militär werde die Zivilisten “binnen 48 Stunden aus den Klauen der Tamilen-Tiger befreien” und die LTTE ausmerzen.

Die UN fürchten ein “unvermeidliches Blutbad”. Alarmiert schickte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon seinen Stabschef nach Sri Lanka. Laut UN halten die LTTE und ihr Chef Velupillai Prabhakaran auf einem drei Quadratkilometer großen Streifen 50.000 Zivilisten als “lebende Schutzschilde” fest. Zugleich warf der UN-Sonderberichterstatter für Vertriebene, Walter Kälin, Colombo vor, durch den Einsatz schwerer Waffen viele Zivilisten zu töten.Die USA wollen einen Kredit des Währungsfonds über 1,9 Milliarden Dollar für Sri Lanka vorerst blockieren. Washington will das Geld offenbar als Druckmittel nutzen, um Schonung für die Zivilisten zu erreichen. Die Endphase des Krieges wird täglich schmutziger. Die Opferzahlen steigen. In einer Woche seien 1000 Zivilisten durch Artillerie-Beschuss getötet worden, hatte einer der zwei Regierungsärzte berichtet, die unter Todesgefahr im einzigen Spital in der LTTE-Zone ausgeharrt hatten. Die UN haben inzwischen den Kontakt zu den Ärzten verloren.

UN-Mitarbeiter bestätigten Vorwürfe, dass die LTTE-Rebellen auf Zivilisten schießen, um sie an der Flucht zu hindern. Das Militär rückte am Freitag weiter vor. Im Kugelhagel waren am Vortag 3700 Menschen durch eine riesige Lagune gewatet, um in Sicherheit zu gelangen. Alte und Kranke schaffen dies aber nicht. Die Lage in der Kampfzone ist dramatisch. “Unsere Mitarbeiter werden Zeuge einer unfassbaren menschlichen Katastrophe”, so das Rote Kreuz.

Der UN-Sicherheitsrat hatte auch die Regierung scharf gerügt. Er forderte sie auf, Hilfe zu den Menschen zu lassen und den Beschuss von Zivilisten einzustellen. Die UN hatten erklärt, dass sich beide Parteien wahrscheinlich Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben. Großbritannien forderte eine Untersuchung. Sicherheitsexperten hatten schon früh gewarnt, dass LTTE-Chef Prabhakaran, der sich mit “Sonnengott” anreden lässt, eine teuflische Menschenfalle am Strand aufbaut.

Diplomaten vermuten, dass Sri Lanka auf Bitten Delhis mit dem finalen Schlag bis nach Ende der indischen Wahlen am vergangenen Mittwoch gewartet hat. In Indien leben 60 Millionen Tamilen. Der Zorn dieser Wählergruppe über ein Blutbad hätte sich auch gegen die eigene Regierung gerichtet.

Quelle : FR-Online.de


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