Sri Lanka braucht ein neues politisches System = ANALYSE =

Willi Germund

Die militärische Niederlage der “Befreiungstiger Tamil Eelam” (LTTE) in Sri Lanka ist besiegelt. Daran gibt es keine Zweifel mehr. Man darf gespannt sein, ob der LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran, der die Bewegung in einen Kult verwandelte, zur Zyankali-Kapsel greifen wird, um der Gefangenschaft zu entgehen – so, wie er es von seinen Kämpfern verlangte.

Eigentlich jedoch gehörte der LTTE-Chef vor ein Kriegsverbrechertribunal. Das Gleiche gilt für Sri Lankas Präsident, den singhalesischen Nationalisten Mahinda Rajapakse. Denn die Ankündigung seiner Regierung, man wolle künftig bei der Eroberung der verbleibenden sechs Quadratkilometer unter LTTE-Kontrolle auf den Einsatz schwerer Waffen verzichten, bedeutet gleichzeitig das Eingeständnis: Sri Lankas Militärs sind bislang mit schweren Waffen gegen die Rebellen vorgegangen, obwohl sie dabei auch das Leben von Tausenden Zivilisten gefährdet haben.

Man darf dieser Regierung, die bisher systematisch das wahre Ausmaß des Blutvergießens verheimlichte, kein Wort mehr glauben. Und die Angaben der LTTE gehören ebenfalls in das Reich der Propaganda. Bis auf einige wenige Ausnahmen verheimlichten selbst die USA das wahre Ausmaß des Krieges, obwohl sie dank modernster Satellitentechnik eine genaue Vorstellung des Geschehens hatten. Die Befreiungstiger gelten eben Regierungen in aller Welt als Terroristen. Ihre Niederlage war daher vielerorts erwünscht, und es ist den Tamilen zu gönnen, dass sie von dem menschenverachtenden Kult Prabhakarans befreit werden.

Wie sehr Sri Lankas Regierung gelogen hat, wird in diesen Tagen deutlich. Erst vor ein paar Wochen behauptete sie, es würden höchstens 65 000 Zivilisten im Kampfgebiet festsitzen. Jetzt drängen sich schon 200 000 Menschen in den Internierungslagern, in die man die Tamilen nach der Flucht aus der “Geiselhaft” der LTTE hinter Stacheldraht einsperrt. Dabei gelten laut Regierungsangaben bislang ganze 3 000 von ihnen als Mitglieder der LTTE.

Jahrelang hetzte die Rajapakse-Regierung gegen ausländische Hilfsorganisationen, vertrieb Mitarbeiter von einzelnen Gruppen mit Morddrohungen und verteufelte jeden, der ihr Vorgehen kritisierte. Jetzt bittet sie ungeniert die Welt zur Kasse. Man brauche rund 155 Millionen US-Dollar, um den Insassen der Internierungslager zu helfen, jammert Rajapakses Regierung. Gleichzeitig besitzt der Präsident die Unverfrorenheit, dem schwedischen Außenminister Carl Bildt einen Besuch zu Gesprächen in der Hauptstadt Colombo zu verweigern.

Selbstverständlich muss den rund 250 000 zivilen Leidtragenden geholfen werden, die laut den Vereinten Nationen dringend Unterstützung brauchen. Da jedoch Sri Lanka tief in finanziellen Schwierigkeiten steckt, sollte die internationale Gemeinschaft diese Not rücksichtslos ausnutzen und die Auszahlung jedes einzelnen US-Hilfsdollars an die Bedingung knüpfen, die festgesetzten Tamilen schnellstmöglich wieder in die Freiheit zu entlassen.

Es geht nicht an, dass ihre Internierung vom Ausland finanziert wird. Vor allem aber darf Sri Lanka nur aus der finanziellen Patsche geholfen werden, wenn das Land ein politisches System schafft, das die Wurzel des Konflikts beseitigt: die systematische Diskriminierung der überwiegend hinduistischen Tamilen durch die Mehrheit der buddhistischen Singhalesen.

Source : http://www.berlinonline.de

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