1000 Zivilisten sterben an einem Tag in Sri Lanka

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka wird zur humanitären Katastrophe. Mehrere Zehntausend Menschen sind auf der Flucht vor Kämpfen zwischen der Armee und den tamilischen Rebellen. Die UN befürchten zudem, dass zahlreiche Unbeteiligte in der Kampfzone festsitzen. Allein an einem Tag soll es 1000 Tote gegeben haben.

Mindestens zehntausend Menschen sind im Norden von Sri Lanka vor Ablauf eines Ultimatums an die tamilischen Rebellen aus dem umkämpften Gebiet geflohen. Seit Montag sind damit knapp 50.000 Zivilpersonen aus der Zone geflüchtet, wie die Streitkräfte mitteilten. UN- und Menschenrechtsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass dort immer noch bis zu 100.000 Flüchtlinge festsitzen.

Die Streitkräfte hatten den Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) am Montag eine Frist von 24 Stunden zur Kapitulation im letzten von ihr kontrollierten Gebiet gesetzt. Andernfalls drohe den Rebellen eine Militäroffensive, hieß es. Das Ultimatum verstrich jedoch am Dienstagmittag ohne eine Reaktion der Rebellen.

Beim Beschuss durch die Armee wurden im Kampfgebiet nach Angaben der LTTE binnen eines Tages mehr als 1000 Zivilisten getötet. Weitere 2300 Unbeteiligte sollen demnach verletzt worden sein. Die Soldaten missbrauchten nach dieser Darstellung tamilische Zivilisten als menschliche Schutzschilde und zur Räumung von Minen. Wer sich dem widersetze, werde erschossen. Regierung und Armee seien „ernster Kriegsverbrechen“ schuldig.
Das Militär beschuldigt seinerseits die LTTE, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Das Militär verweigert unabhängigen Journalisten und Beobachtern den Zugang zum Kampfgebiet. Die widersprüchlichen Informationen der Regierung und der LTTE lassen sich daher nicht überprüfen.
Unicef-Südostasiendirektor Daniel Toole zeigte sich angesichts der Kämpfe besorgt: „Unsere größte Angst ist, dass das Schlimmste noch bevorsteht.“ Allein zehntausende Kinder seien in Lebensgefahr. Das UN-Kinderhilfswerk verlangte eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen. Nur so könnten die eingeschlossenen Flüchtlinge humanitäre Hilfe erhalten und die Kampfzone verlassen. Sollten die Kämpfe anhalten und Flüchtlinge am Verlassen der Konfliktzone weiterhin gehindert werden, müssten noch mehr Kinder sterben, so der Regionaldirektor Dan Toole.
Auch das Rote Kreuz warnte vor einer Eskalation des Blutvergießens. Zehntausende Zivilisten seien zwischen den Fronten im Bürgerkrieg eingeschlossen und bedroht, sagte der Einsatzleiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Pierre Krähenbühl, in Genf.
Unter den eingeschlossenen Zivilisten sind den Angaben zufolge neben Kindern auch viele Frauen und alte Menschen. Ihre Lage sei katastrophal, da Hilfswerke kaum Zugang zu ihnen hätten.

Nach UN-Schätzungen wurden bei den Kämpfen der vergangenen drei Monate mindestens 4500 Zivilpersonen getötet und 12.000 verletzt. Die LTTE kämpft seit mehr als 25 Jahren für einen tamilischen Staat im Norden der Insel Ceylon. In den vergangenen Monaten wurden sie jedoch auf einen kleinen Landstrich zurückgedrängt und von Regierungssoldaten immer stärker eingekreist. Präsident Mahinda Rajapakse hatte bereits Anfang Februar einen Sieg über die LTTE innerhalb von Tagen vorausgesagt.

QUELLE : BERLINER MORGENPOST

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