KAMPF GEGEN REBELLEN

Dutzende Menschen sterben bei Gefechten in Sri Lanka

Luftangriffe und Streubomben im Inselstaat Sri Lanka: Regierungstruppen und tamilische Rebellen haben sich im Norden des Landes blutige Gefechte geliefert. Über 50 Menschen starben, Dutzende weitere wurden verletzt. Das letzte funktionierende Krankenhaus in den umkämpften Gebieten ist evakuiert.

Colombo – Fast scheint es, als feierten Sri Lankas Militärs bereits den Sieg über die tamilischen Rebellen: Kampfjets donnern im Tiefflug über die Küste der Hauptstadt Colombo, Panzer rollen durch die Straßen – am 61. Unabhängigkeitstag Sri Lankas wirft sich das Militär des Inselstaates martialisch für eine Parade in Pose. Es ist eine Demonstration der Stärke von Armee und Präsident Mahinda Rajapakse. Es ist auch eine Botschaft, gerichtet an die eingeschlossenen Truppen der tamilischen Rebellen im Nordosten.

Immer wieder geraten Zivilisten zwischen die Fronten

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REUTERS

Regierungstruppen in Sri Lanka auf dem Vormarsch: Immer wieder geraten Zivilisten zwischen die Fronten

Doch die militärischen Erfolge fordern einen hohen Blutzoll. Nach Angaben von Hilfsorganisationen halten sich noch 250.000 Zivilisten in einem etwa 30 Kilometer langen und hart umkämpften Küstenstreifen auf. Immer wieder geraten sie unter Feuer.

52 Zivilisten starben laut Uno-Angaben, 80 weitere wurden seit Dienstag zum Teil schwer verletzt. Auch eine von der Regierung ausgewiesene Schutzzone wurde bombardiert. Das berichtete Uno-Sprecher Gordon Weiss in Colombo.

Selbst Krankenhäuser geraten unter Feuer. Mehrfach wurde eine Klinik des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes mit Granaten beschlossen. Die Hilfsorganisation evakuierte das Krankenhaus darauf hin. Es war das letzte funktionstüchtige Hospital der Region.

In der Nähe gebe es Luftangriffe, auch Streubomben seien eingesetzt worden, sagte Weiss. “Wir haben große Angst um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und ihrer Familien.” Bei den Kämpfen wurden auch Streubomben eingesetzt, kritisierte Weiss. Der Einsatz von Streubomben wurde von mehr als hundert Staaten geächtet, weil er vor allem unter der Zivilbevölkerung hohe Opfer fordert.

Ganze Familien im Schlaf ausgelöscht

Nur noch wenige Tage, glaubt Präsident Rajapakse, denn sind die sogenannten “Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)” endgültig besiegt. Bereits vor einem Monat fiel die Hauptstadt der Rebellen Kilinochchi, jetzt hat die Armee die Separatisten auf einem schmalen Flecken eingekesselt. Die Regierungstruppen holen zum entscheidenden Schlag aus.

Die Außenminister der USA und Großbritanniens, Hillary Clinton und David Miliband, riefen die Kriegsparteien unterdessen zu einer sofortigen Waffenruhe auf, damit Verletzte und Zivilisten die Kampfzone verlassen können.

In Sri Lanka leben knapp 20 Millionen Menschen, davon zählen 18 Prozent zur tamilischen Minderheit. Seit einem Vierteljahrhundert kämpfen die Rebellen der LTTE für einen eigenen Tamilen-Staat im Norden Sri Lankas. Regierungstruppen war es in den vergangenen Wochen jedoch gelungen, den Befreiungstigern entscheidende Niederlagen zuzufügen. Die LTTE, berüchtigt für ihre Selbstmordattentate, wird von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Augenzeugen berichteten einer Nachrichtenagentur von den heftigen Kämpfen im Nordosten. Ganze Familien seien im Schlaf ausgelöscht worden. Aus Protest gegen das Vorgehen der Armee gingen in Berlin rund 4000 Tamilen auf die Straße. Die Demonstranten warfen dem Militär Völkermord vor und forderten ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft.

beb/AP/dpa/Reuters

Source : Spiegel

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